Atomstrom-Verzicht gefährdet nicht die Versorgung
Die Gewinnung von elektrischer Energie, von Strom, aus Kernkraftwerken hat seit jeher viele Fragen aufgeworfen. Die Katastrophen in den japanischen Kernkraftwerken, die im Frühjahr 2011 in der Folge von großen Naturkatastrophen eine Folge waren, haben die Fragen nach der Sicherheit und der Zukunft überhaupt von Atomkraftwerken neuerlich und aktuell in den Vordergrund gerückt. Die Gewinnung von Strom aus der Atomkraft wirft dabei nicht nur Fragen nach der Sicherheit der Kraftwerke auf, sondern auch die Entsorgung und Endlagerung. Dazu gehört auch die Sicherheit der Transporte solcher Abfälle. Beides wurde zum Glück noch nicht in der Praxis unter Einfluss großer Naturkatastrophen auf die Probe gestellt.
Die modernen Atomkraftwerke werden als verhältnismäßig sicher eingestuft. In der Regel sind jedoch für Sicherheitsmerkmale nicht extreme Bedingungen als Messlatte angelegt. Dass auch moderne Atomkraftwerke solchen extremen Einwirkungen nicht gewachsen sind, hat sich in einem Land der Hochtechnologie wie Japan gezeigt. In der Folge wurde von der deutschen Bundesregierung auch die Abschaltung der sieben älteren Atommeiler beschlossen und ein zügiger Ausstieg aus der Produktion von Atomstrom.
Der Ausstieg aus der Produktion von Atomstrom kann allerdings als das Ende der Nutzung von Atomstrom gesehen werden. Stromimporte, zum Beispiel aus Frankreich, enthalten nach wie vor erhebliche Anteile an Atomstrom.
Atomausstieg lässt nicht die Lichter löschen
Bis zum Jahr 2022 soll der Ausstieg aus der Stromerzeugung durch Atomkraftwerke in Deutschland vollzogen sein. In diesem Zusammenhang das Debakel der ausgehenden Lichter im Land an die Wand zu malen ist eine Argumentation, die tatsächliche Fakten außer Acht lässt. 2010 betrug der Anteil des Atomstroms in Deutschland insgesamt 22,4 %. Damit war bereits seit 2004 ein erheblicher Rückgang zu verzeichnen, als der Anteil noch 27,2 % betrug. Das Angehen des Ausstiegs für einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren ist also realistisch.
Es darf auch nicht gänzlich außer Acht gelassen werden, welche hohen Kosten gerade die ständige Anpassung und Aufrüstung der alten, jetzt abgeschalteten, AKWs verursacht hätte und dass auch die übrigen Kraftwerke nicht gerade billig in Unterhalt, Betrieb, Abfallentsorgung, Transport und Sicherung sind. Es werden also durchaus Mittel frei, die zusätzlich in erneuerbare Energie investiert werden können. Somit lässt sich auch der Schwarze Peter für künftige hohe Preise nicht gänzlich dem Atomausstieg anlasten.
Der Ausbau der erneuerbaren Energien wurde nicht erst mit dem Beschluss des Ausstiegs aus der Atomkraft in Angriff genommen, sondern ist bereits in vollem Gange. Die noch bestehenden technischen Probleme, wie teilweise das Problem der Speicherung, dürften ebenfalls innerhalb voraussehbarer Zeiträume lösbar sein. Wissenschaft und Entwickler in aller Welt arbeiten daran. Bis 2010 wurde der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch bereits auf 12,5 % erhöht, womit gesteckte Ziele vorzeitig erreicht wurden. Bis 2020 soll der Anteil mindestens 30 % betragen. Da diese Ziele bereits vor dem Atomausstieg gesteckt wurden, wird schon deutlich, dass die Erneuerbaren auch dann den Atomstrom überholt hätten. Der Ausstieg aus der Atomstrom-Förderung und die Ausweitung der erneuerbaren Energien ruhen also auf realistischen Fakten. Die Sicherheit der Energieversorgung wird dadurch nicht in Gefahr geraten.
Verbraucher können nicht nur am Preis drehen
Die Stromkunden können nicht nur die Preise für den Strom entschieden mit beeinflussen. Sie können durch den aktiven Wechsel auch die Zusammensetzung ihrer Strompakete bestimmen. Schon jetzt kommen immer mehr Anbieter auf den Markt, die sauberen Strom aus erneuerbaren Energien oder auch einen Strommix ohne Atomstrom anbieten. Immer mehr Verbraucher, die die Online Vergleiche für Strom aktiv nutzen, wenden sich nicht nur den günstigsten Preisen und Konditionen zu, sondern suchen auch gezielt nach Ökostrom. Bereits beim Hineinklicken in die Vergleiche kann die Suche nach eigenen Wünschen verfeinert werden. Es kann ganz gezielt angegeben werden, nur Unternehmen für die Lieferung von Strom aus erneuerbaren Energien, aufzuzeigen. Dann muss nicht in jeder Spalte mühsam nachgesehen werden, welche Art von Strom dort angeboten wird. Die großen Stromunternehmen haben eigene Tarife, die ausschließlich Ökostrom enthalten. Zugleich gibt es inzwischen auch für den Ökostrom schon Billiganbieter und Discounter auf dem Strommarkt, die Preise für gemischten Strom teils bereits unterbieten.
